Aus der Geschichte

Der Führerring im Jubeljahr 1924

Hintere Reihe: Flocke Kassenprüfer u. Pressewart, Koenen Schwerathletikfachwart, Köller Fußballfachwart, Klegraf Protokollführer, Schulte Beisitzer, Reineke Schwimmfachwart, Hönemann Handballfachwart

Vordere Reihe: Busch Geschäftsführer, Hasse Kassenfachwart, Schumann Vereinsführer, Kanne Jugendfachwart, Bauhoff Kassenprüfer

Weißt du noch ...?

(Auszug aus der Festzeitschrift zum 50 jährigen Jubiläum)

Sie hatten es nicht leicht, die ersten Fußballer vor einem halben Jahrhundert, als man sie nur naserümpfend und kopfschüttelnd wie vermeintlich Irre hinter einem runden Leder herrennen sah, das erbarmungslos getreten wurde, weil man die­ses tückische Ding partout in ein merkwürdiges Rahmengestell schieben, treten oder drücken sollte. So wenig Verständnis die soliden Bürger für diese „Rauferei" aufbrachten, so groß war die Begeisterung bei dieser Jugend, der jeder Gegenstand, und sei es eine verbeulte Blechdose, recht war, ihn zum Gegenstand ihrer plötzlich er­wachten Fußballleidenschaft zu machen. Jeder Pfennig wurde eisern gespart, um ein Paar neue Schnürsenkel zu kaufen, ein Paar Schuhe oder sogar einen richtigen Fußball.

Aus England kam der Fußball zu uns nach Deutschland, zuerst nach Hamburg und Bremen, als man dort die Seeleute beobachten konnte, die merkwürdigerweise die Füße für etwas benutzten, wofür man allgemein glaubte, zwei Hände zu besitzen. In den Großstädten setzte sich der Fußball fest, auch dort natürlich nicht ohne Schwierigkeiten. Als dann mit der Übersiedlung der ehemaligen Artillerie-Werkstatt von Köln nach Lippstadt auch zahlreiche Kölner in der alten „Stadt tor Lippe" eine zweite Heimat fanden, war auch für uns die Geburtsstunde des Fußballspiels gekommen. Mochten die Spieler den Kopf schütteln, dass das „rohe Balltreten" nun auch im altehrwürdigen Lippstadt seinen Einzug halten würde, so ließen sich aber sechs Männer von ihrem einmal gesteckten Ziel nicht abbringen und gründeten den 1. Lippstädter Fußballclub „Teutonia". Ein Sinnbild sollte der Name sein, mit dem Eifer und der Reckenkraft unserer teutonischen Urväter dem jungen Sportgedanken zum Durchbruch und zum Siege zu verhelfen, so wie in jenen Märztagen des Jahres 1908 der Frühling sich anschickte, dem hartnäckigen Winter endgültig den Garaus zu machen. Ja, und eine Frau soll es gewesen sein, deren Vorschlag der Name „Teutonia" zu danken ist, nämlich Frau Kuhlmeier. Über berufliche, ständische, konfessionelle und politische Grenzen hinweg sollte die junge „Teutonia" ein Sammelbecken aller Gleichstrebenden sein.Die Gründer waren sich bewusst, dass sie eine wichtige und große Aufgabe zu erfüllen hatten, nach des Tages Last und Müh'n, Körper und Seele zugleich zu dienen, die Jugend aus den Stuben in die freie Natur zu holen und sie zu einer festen Kameradschaft zu schmieden. An der Bökenförder Straße fing es an, als die Teutonen, ungeachtet manchen spöttischen Zurufs und scheeler Blicke oder entsetzt aufstöhnender alter Damen, mit schwerem Holzgerähme hinauszogen. Auf einer kleinen Wiese wurden die Latten zu einem Tor aufgebaut und dann gab es kein Halten mehr. Es wurde gespielt, dass es eine Lust war und die Herzen vor Freude an dem Spiel höher schlugen. Erst, wenn die Sonne im We­sten versank, schulterten wir Torpfosten und Latten aufs Neue und zogen mit frohem Sang heimwärts, ungeachtet der kleinen Schrammen, der müden Beine und der schweißnassen Kleidung. Wir hatten unser Spiel, wir hatten frische Luft, wir hatten unsere Freude gehabt und nun würde das Abendessen doppelt gut schmecken. Aber wir wollten mehr als spielen, wir wollten unsere Kräfte mit anderen messen, wollten unsere Kraft beweisen. Dazu gehörte ein sportgerechtes Spielfeld. In Herrn Holthaus fanden wir einen verständigen Gönner und bald schon hatten wir unsere Wiese auf dem Rüsing, wir 23 Fußballspieler, von denen selten einer fehlte.

Immer mehr Zuschauer fanden sich ein, selbst mitgerissen von dem schönen Spiel und, zaghaft zunächst, machten bald die ersten mit. Wie stolz waren alle, als wir im Jahr 1910 unser 50. Mitglied aufnehmen konnten! Das Eis war gebro­chen, bald fanden wir Aufnahme im Westdeutschen Spielverband. Im Jahre 1913 stiegen wir zur B-Klasse auf und -zählten darin zu einer der besten Mannschaf­ten, dank einer prächtigen, unvergesslichen Kameradschaft. Diese unsere erste Aufwärtsentwicklung wurde jäh durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, und 33 von uns kehrten nie wieder zurück, dazu 14 weitere Kameraden von der später mit Teutonia vereinigten „Westfalia".

Teutonengeist verzagte nicht, als nach dem furchtbaren Ringen alles daniederlag und das Vaterland aus tau­send Wunden blutete. Gleich zu Beginn des ersten Nachkriegsjahres fanden sich die „Alten" wieder zusammen, Vorbilder wie sie immer waren, auch in diesem Augenblick an die eigene Kraft, an den Teutonengeist und an die unzerstörbaren Werte unseres Vaterlandes glaubten. Sie setzten mit ungebrochenem Mut das einmal mit vielen Mühen begonnene Werk fort, sie begeisterten die Jugend erneut und rissen sie mit. Und mit welchem Elan gearbeitet wurde, beweist allein. schon diese Tatsache: Am Himmelfahrtstage 1921 wurde der neue Sportplatz Waldschlößchen eingeweiht.

Aber damit nicht genug. Es kam schon bald eine Schwimm- und eine Leichtath­letikabteilung hinzu. Die Fußballer erkämpften sich 1921 den Aufstieg zur A - Klasse und erreichten schon ein Jahr später das nächste Ziel, in der Kreisklasse spielen zu können. Diese Erfolge kamen nicht von ungefähr. Einer stand für den anderen, und eine unverbrüchliche Kameradschaft, die sie alle zusammenschweißte, schaffte scheinbar Unmögliches.

Den Aufstieg in die Gauliga brachte das Jahr 1927 als einen stolzen Erfolg, in die damals höchste Klasse, die es zu erobern gab. Natürlich sollte nun auch unser Platz „standesgemäß" sein und nun hieß es „Freiwillige vor", zu harter Arbeit mit Hacke und Spaten an unse­rem „Waldschlößchen". Kamen wir müde von der Berufsarbeit zurück, hatten wir nur Zeit für ein schnelles Abendessen, wenn es nicht überhaupt ausfiel, denn die kameradschaftliche Pflicht an dem gemeinsamen Werk rief, und keinen gab es, der sich ausschloss.

Unsere „Alten" werden gerade in diesen Tagen mit stiller Wehmut an' diese Zeit 'zurückdenken, als niemand danach fragte, was bekomme ich dafür oder muss ich denn unbedingt dabei sein? Von sich aus fühlte jeder, ob Mitglied oder aktiver Spieler, die selbstverständliche Verpflichtung in sich: hier musst du mitmachen, gerade auf dich kommt es an, denn eine Kette der Gemeinschaft ist immer nur so stark und so schwach wie das schwächste Glied.

Die „Sonderliga" war erreicht. Dieser Zusammenhalt schaffte seinerzeit Aufsehen erregende Erfolge. Selbst Gegner von Rang mussten kapitulieren und neidlos zusehen, wie das Teutonen-Banner am Siegesmast stand. Teutonia und Waldschlößchen wurden zu einem Begriff, den man zu achten und zu fürchten Begann. Als 1929 die Neueinteilung des Westfalen Bezirkes kam, erreichte Teutonia den "Platz an der Sonne", nämlich dank des guten Tabellenplatzes in der Spitzen­gruppe der „Gauliga" den automatischen Aufstieg zur „Sonderliga", im Kreis Berühmter Vereinsnamen, im Kreis der Besten Mannschaften, die der westfälische Bezirk zu präsentieren hatte, in der damals höchsten deutschen Fußballklasse. Auch die wirtschaftliche Krise, die unser Vaterland wenig später schüttelte und keinen Sportverein ungeschoren ließ, konnte das Teutonenschiff nicht zum Kentern Bringen, denn in dieser kriti­schen Zeit fanden sich erneut kraftvolle Männer, voll unerschütterlicher Zuversicht, die das Ruder fest in die Hand nahmen und das Schiff wieder in gesicher­tes Fahrwasser lenkten. Damit nicht genug, Bald galt Teutonia als einer der Bestverwalteten Sportgemeinschaften Westfalens. Wer weiß es denn heute noch, was das damals hieß: das Bemühen, finanziell wieder auf die Beine zu kommen, und das Bei fortschreitender wirtschaftlicher Krise und dennoch den Mut zur Erweiterung des Sportbetriebes durch die Neugründung der Handball­abteilung, und gleichzeitig zur Schaffung hygienisch und modern eingerichteter Umkleide- und Waschräume im Lokal „Waldschlößchen" zu haben, wie sie kein anderer westfälischer Verein aufzuweisen hatte?

Wie war das möglich?

Wer waren diese Männer, die unerschütterlich an ihre eigene Kraft und an die Treue der Mitglieder glaub­ten, die nicht einsehen wollten, dass die ruhmreiche Laufbahn Teutonias Beendet sein sollte? Wollten wir sie alle nennen müssten wir Listen füllen, denn in dieser schweren Zeit standen alle Teutonen wie ein Mann hinter ihrem Verein. Dennoch wollen wir einige Männer hervorheben, die das Wort „unmöglich" nicht kannten, die nie das Vertrauen zu der Jugend verloren, das ihnen wiederum die Kraft zu neuem Beginn und zu weiteren Taten gab, die viele Jahre lang, teilweise seit Jahrzehnten, an verantwortlicher Stelle im Vorstand gewirkt haben: Kurt Schumann, Paul Busch, Josef Flocke, Heinrich Bauhoff, Willi Köller, Franz Kanne, Josef Hasse, Siegfried Cohn.

Die Feier des 25jährigen Bestehens im August 1933 war daher eine Gelegenheit stolzen Rückblickes, aber auch der inneren Festigung des Vereins für weitere Aufgaben. Eine ganze Woche lang wickelte sich ein umfangreiches und inhaltreiches Festprogramm ab. Grün Weiß Viersen und die Sp.-Vgg. Herten waren zu Gast, die Altliga hatte SuS Soest zum Gegner, alle Jugendmannschaften zeigten ihr Können, die Handballer trafen sich mit SuS Gütersloh am Wurfkreis, auf der Matte kämpften die Teutonen gegen die Kraftsportvereinigung Mark Hamm, die Leichtathletik kam ebenso wenig zu kurz, und die Schwimmer hatten gleich drei Abende für ihr unvergessliches Strandfest mit abschließendem Festfeuerwerk belegt.

Die sportlich größte Zeit begann jetzt für Teutonia, Schalke 04 war zu Gast und gewann hoch mit 7:1. Aber dann wurden erstmalig Trainer verpflichtet: der Tscheche Zoubeck, Fred Schneider aus Arnsberg, Klein aus Düsseldorf. Daneben stand die Arbeit um eine weitere finanzielle Gesundung des Vereins. Die Holzumzäunung ver­schwand und dafür wurden stabile Zementplatten gesetzt. Dann reifte dank eines intensiven Trainings und eines unübertroffenen Zusam­menhalts in der Mannschaft und im Verein selbst die spielerisch stärkste Zeit in den Jahren 1938/39 heran.

Am 26. September 1939 wurde Rot-Weiß Oberhausen mit Nationaltorwart Jürissen 4 : 1, der Vizemeister der Westfälischen Gauliga, VfL Bochum, mit 4 : 3 geschlagen und der Homberger SV verlor sogar mit 2 : 7 Toren. Die Namen der Spieler waren damals weit über Westfalens Grenzen hinaus bekannt: Schnettker, Silla, Düsterhus, Ahlke, Neite, Ptazinski, W. Schmitz, J. Schmitz, Niggehoff, H. Funke.

Und wieder kam ein Weltkrieg, der viele Teutonen forderte. Am 7.5.1941 musste der Sportplatz von dem Besit­zer des Waldschlößchens geräumt werden, nachdem das Gelände an die Lippstädter Eisen- und Metallwerke verkauft worden war. Vorsitzender Schumann wurde im April 1943 Soldat und Paul Busch zum Vorsitzenden bestellt. Der Fußballbetrieb wurde bis 5.11.1944 aufrechterhalten; Kraftsport, Schwimmen und das Handballspiel ruhten.

Der bei der Flak stationierte Unteroffizier Hermann Storm aus Duisburg sorgte für „Nachschub" an Fußballspielern. Im Jahre 1944 wurde eine Kriegsspielgemeinschaft aus den Vereinen Teutonia, Borussia und dem Luftwaffensportverein Lippstadt gegründet. Nach Abgabe des Waldschlößchens stellten die Borussen in vorbildlicher Sportkameradschaft ihren „Lipperbruchbaum" zur Verfügung.

Jakob Koenen, Vereinsvorsitzender Der 11. August 1945 wird ein denkwürdiger Tag in der Vereinsgeschichte blei­ben, denn wieder, wie schon einmal vor 25 Jahren nach einem verlorenen Krieg, fanden sich die Teutonen mit ungebrochenem Mut zu neuem Aufbau. 37 Mitglieder waren im Saale Stuke erschienen und die Anwesenheitsliste verzeichnet gleich obenan wieder die durch nichts in ihrer Vereinstreue zu erschütternden, unermüdlichen Paul Busch und Josef Mühlenbrock, weiter Rene Cohn, Wilhelm Klegraf, Karl Reins, Josef Schäfer, Anton Fernhomberg, Fritz Stockmann, Jakob Koenen und viele andere.

In der Generalversammlung am 22. September 1945 wurde Koenen zum Vorsitzenden gewählt. Nach seinem Wunsch wurde eine Turn- und Sportgemeinschaft gebildet, der alle Lippstädter Sportvereine als selbständige Abteilungen angehören sollten. Aber kaum geboren, starb dieses Kind wieder. 293 Mitglieder zählte der Verein inzwischen.

Ein schicksalsschweres Protokoll hatte Paul Busch in der Generalversammlung vom 22. September 1945 ge­schrieben, das verdient, in Auszügen festgehalten zu werden: „Die letzte Generalversammlung hat im Mai 1939 stattgefunden. Von dem damals gewählten Vorstand sind nur noch Paul Busch und Josef Flocke übergeblieben. Kamerad Busch hatte 1943 die Ämter des Vorsitzenden, Schriftführers und Kassierers übernommen, während ihm Josef Flocke als Pressewart und Josef Mühlenbrock als Spielausschussobmann zur Seite standen. Die Jugend leiteten Walter Jobst, Heinrich Knoop und Heinrich Aust .

Im Spieljahr 1942/43 kämpften wir um den Aufstieg in die Gauliga.' Das Ziel wurde nicht erreicht, da teilweise infolge der Versetzung der bei uns spielenden Soldaten nicht immer alle Spiele ausgetragen werden konnten. Vom November 1944 an konnte wegen dauernder Fliegeralarme nicht mehr gespielt werden. Nach Beendigung des Krieges haben wir den Fußballbetrieb wieder aufgenommen. Für die Aufstellung einer Jugendmannschaft fehlt es leider an Spielern. Die Finanzverhältnisse sind gesund, Schulden hat der Verein nicht."

Verhandlungen mit der Besatzungsmacht waren jetzt an der Tagesordnung. Jakob Koenen und Renè Cohn waren die Verhandlungsführer. In englischer Sprache mussten die Briefe abgefasst sein, in denen die Engländer um die Freigabe des beschlagnahmten „Waldschlößchens" gebeten wurden. Mit Schreiben „Headquarters Allied Expeditionary Force Military Government" vom 4. September 1945 kam die Erlaubnis zur Benutzung des Trainingsplatzes", unterzeichnet von R. P. Haig, Major. Ein anderes Schreiben vor der ersten Mitgliederversammlung mag ebenfalls die damalige Situation erläutern: "An den Herrn Landrat in Lippstadt! Der Kreiskommandant der Militär-Regierung genehmigte uns eine Mitgliederversammlung. Diese soll am kommenden Sonnabend, dem 11. August 1945, 19 Uhr, im Lokal Stuke, Südertor, stattfinden. Wir bitten, uns Ihrerseits die Genehmigung zu erteilen."

Nicht minder schwer war der Kampf um die Instandsetzung des Platzes, der völlig verwahrlost war, auf dem Baracken standen, Bunker und ein Löschteich angelegt worden waren. Die große Zeit des Organisierens" und „Kompensierens" hatte begonnen. Jakob Koenen war durch niemanden zu übertreffen, es gab nichts, was er nicht fertig brachte, was er nicht beschaffen konnte, und wenn es galt, sich Papiersäcke von seinem nachherigen Bundestagskollegen Bürgermeister Alois Feldmann in Ge­seke zu besorgen, um den inzwischen auch „organisierten" Zement befördern zu können. Es war eine schwere, eine verrückte Zeit, aber da bewies sich erneut deutscher Unternehmungsgeist und die unbeugsame Kraft, die während Jahrzehnten in der Gemeinschaft „Teutonia" gewachsen war.

Zuschauerränge wurden aufgeschüttet, die Stufen verbessert, eine Aschenbahn rund um den Platz geschaffen und eine Wasserleitung um das Spielfeld verlegt.

Und wieder: Teutonia ganz oben

Nachdem sich immer mehr Mitglieder einfanden (1946 schon fast 400) und Teu­tonias 1. Mannschaft auch wieder von sich reden machte, konnten Erfolge nicht ausbleiben. Die „Sandwüste" Waldschlößchen wurde für alle Gegner wieder ein äußerst „heißes Pflaster", und kaum einer ging ungeschoren nach Hause. Trotz der furchtbaren körperlichen und seelischen Opfer und Belastungen war der „furor teutonicus" nicht untergegangen.

Triumph in Bergkamen

TuRa Bergkamen oder Teutonia war schon im August 1947 die Frage bei den Entscheidungsspielen um den Aufstieg zur Gauliga. Im ersten Kampf am Wald­schlößchen spielte Teutonia mit Wegmann, Protzek, Paschedag, Feilen, Hense, Peters, Verstappen, Jakubeck, Rettinghaus, Meise, Schnettker 80 von 90 Minuten überlegen, aber es langte an diesem 3. August durch ein Tor von Meise nur zu einem 1:1. Im Wiederholungsspiel 14 Tage später in gleicher Aufstellung aber wollten es die Teutonen wissen. Ganz Lippstadt schien diesem Kampf entgegen zu fiebern, denn soweit es damals überhaupt schon Fahrzeuge gab, waren sie todsicher auf dem Marsch nach Bergkamen. Mancher hoffnungslos überfüllte „Gaskocher-Lkw" blieb, aus allen Löchern qualmend, am Straßenrand liegen. Aber zum Spiel waren alle Fußballbegeisterten da, um ihre Teutonen anzufeuern. Diese Begei­sterung, dieser Freudentaumel, als Verstappen, Feilen, Meise (2) und Hense fünf Tore schossen und TuRa Bergkamen mit 5 : 0 in Grund und Boden spielten, wird niemand, der dabei war, vergessen. Der Aufstieg war geschafft!

Das Vertragsspielertum lehnte der Verein für sich im Jahre 1949 ab.

Für die Spielzeit 1950/51 bildete Westfalen eine neue Amateur-Spitzenklasse, und zwar stiegen die ersten acht Vereine der beiden Landesliga-Gruppen in die neu geschaffene „Westfalenliga" auf. Teutonia war dabei, und zwar auf Anhieb mit recht beachtlichem Erfolg. Trotz namhafter Gegner, wie SV Röhlinghausen, Sportfreunde Siegen, TuRa Bergkamen, TSV Hüls und SV Beckum wurde ein ehrenvoller 6. Tabellenplatz erkämpft.

„Westfalenliga ist satzungswidrig", lautete das Urteil des Verbandsgerichtes des Westdeutschen Fußballverbandes im Jahre 1952, womit diese Spitzenklasse aufgelöst war. Kopfschüttelnd nahm es jeder Fußballfreund zur Kenntnis, dass nun aus bisher einer Spitzengruppe bester Vereine eine „Spitze" aus 5 Landesligagruppen mit insgesamt 72 Verei­nen (!) gebildet wurde. Ein allgemeines Absinken des Spielniveaus war die un­ausbleibliche Folge. Der Initiative des Vorsitzenden des Fußball- und Leichtathletikverbandes West­falen, Jakob Koenen, war es zu verdanken, dass dann im Jahre 1956 erneut wie­der eine Spitzenklasse erreicht wurde, diesmal als Verbandsliga, in zwei Grup­pen spielend.Schon ein Jahr später, 1957, stieg Teutonia, gemeinsam mit den Lippstädter Borussen, in diese höchste deutsche Amateurklasse auf, in der sie sich, wenn auch am Schluss erst nach einiger Kraftanstrengung, im Jubiläumsjahr weiter behaupten konnte. Sie schafften den Aufstieg zur Verbandsliga 1957.

Die denkwürdige Aufstiegsrunde vor einem Jahre zwischen den Tabellenzweiten der 5 Landesligagruppen, von denen nächst den fünf Meistern nur einer den großen Schritt nach oben tun konnte, war wieder einmal ein unwiderlegbares Beispiel dafür, dass sich die Teutonen immer dann, wenn es darauf ankommt, wenn man von ihnen fast unzumutbare Leistungen erwarten muss, in einem Masse zu steigern wissen, wie es kaum jemand vorher für möglich halten würde. Klaus Feilen hatte als ehemaliger Spieler das Training übernommen und seine Mannschaft gerade im richtigen Augenblick „fit". In wahren Sonnenschlachten wurden Plettenberg mit 4 : 0, Massen mit 1 : 0 und Marl mit 2 : 0 auf neutralen Plätzen geschlagen, ohne ein einziges Gegentor also. Erst im letzten Spiel ge­gen Germania Herne, das aber keine Bedeutung mehr hatte, ging ein Punkt ver­loren (1 : 1 Tore). Damit hatte Lippstadt zwei Vereine in der höchsten deutschen Amateurklasse.

Das „Waldschlößchen" gehörte uns. Neben diesen sportlichen Träumen aber ging in der Zwischenzeit auch ein anderer alter Wunsch Teutonias mit Toto-Hilfe in Erfüllung: Im Jahre 1950 wechselte der Sportplatz „Waldschlößchen" durch Kauf in den Besitz des Vereins über. Maßgebendes Verdienst an diesem stolzen Ereignis gebührt Jakob Koenen, der mit seiner beispiellosen Tatkraft scheinbar Unmögliches möglich machte. Noch einen stolzen Tag gab es im Jahre 1953, als aus dem alten Sandplatz („Sturzacker' nannten ihn viele Gegner grimmig) ein schmucker Rasenplatz geworden war. Wieder hatte es dazu „teutonischer" Tatkraft und großen Geschickes bedurft, das seit eh und je Kurt Schumann auszeichnet. Er schaffte die finanziellen Voraussetzungen. Willi Hansmeyer und Josef Flocke schleppten 900 cbm Erde aus der Umgebung heran und Friedrich Gerke zauberte aus der Sandwüste einen Rasenteppich, wie er schöner nicht sein kann.

Im Juni löste Willi Hansmeyer den inzwischen zum 1. Vorsitzenden des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen 'avancierten Jakob Koenen als Vereinsvorsitzenden ab. Die von Dr. Harz geführte Handballabteilung musste wegen fehlenden Spielernachwuchses den Spielbetrieb zunächst unterbrechen und schließlich ganz einstellen.

Und wieder Kurt Schumann In der Generalversammlung 1952 wird kein Vorsitzender gewählt. K. Schumann übernahm als 2. Vorsitzender die Vereinsführung, um dann im Juli des gleichen Jahres als 1. Vorsitzender gewählt zu werden, die gleiche Aufgabe, die er schon vor 25 Jahren, beim silbernen Jubiläum des Vereins, innehatte.

Bis auf eine einjährige Unterbrechung von 1956 bis 1957, als Siegfried Schröder das Vereinsschiff führte, ist Kurt Schumann damit, wenn man noch die letzten Kriegsjahre außer Betracht lässt, seit 30 Jahren Teutonias Vereinsvorsitzender geblieben.

Verdiente Auszeichnungen Am 17. März 1952 wurde Renè Cohn als Spieler und Schiedsrichter durch die Schiedsrichtervereinigung die Goldende Ehrennadel des Westdeutschen Fußballverbandes für seine jahrelangen, außerordentlichen Verdienste überreicht. Die gleiche Auszeichnung erhielten am 30. April 1952 die Sportkameraden Josef Flocke, Kurt Schumann und Paul Busch aus der Hand des Vorsitzenden des Fußball- und Leichtathletikverband Westfalens, Jakob Koenen.

Mit der Silbernen Ehrennadel des Westdeutschen Fußballverbandes wurden die Spieler Willi Hense , Karl Wegmann und Friedel Wulf ausgezeichnet.

Wohl einmalig dürfte es sein im westdeutschen Vereinsleben, dass der geschäftsführende Vorstand eines Sportvereins nahezu 30 Jahre, von kriegsbedingten Unterbrechungen abgesehen, der gleiche blieb. Kurt Schumann wurde erstmalig im Jahre 1930 Teutonias 1. Vorsitzender, Paul Busch ist bereits seit 1926 Geschäftsführer und Josef Flocke seit 1927 Vorstandsmitglied und seit langem 1. Kassierer. Und auf noch etwas sind wir stolz: Der Vorsitzende des Fußball- und Leichtathle­tikverbandes Westfalen und 2. Vorsitzende des Westdeutschen Fußballverbandes, Jakob Koenen, ging aus den Reihen Teutonias hervor! Was viele vielleicht auch nicht wissen, darf an einem solchen Jubiläum ebenso wenig vergessen werden: Noch nie in der langen Vereinsgeschichte ist Teutonia aus spielerischen Gründen abgestiegen!

Von links nach rechts, hintere Reihe: Fränzer (Beisitzer), Latza (Leiter der Fußballjugend-Abteilung), Dauk (Beisitzer), Marschall (2. Kassierer), Winterwerb (Leiter der Boxabteilung), Müller (Leiter der Fußballsenioren-Abteilung), Dr. Büker (Leiter der Schwimmabteilung), Busch jun. (2. Geschäftsführer), Wilmes (Beisitzer)

Vordere Reihe: Busch sen. (1. Geschäftsführer), Flocke (1. Kassierer), Schumann (1. Vorsitzender), Gerke (2. Vorsitzender), Opalka (Beisitzer), Kaufmann (Stellv. Leiter der Fußballsenioren-Abteilung)